2017

 

 

 

berthouzoz

Charles Berthouzoz
La mort brute       Der raue Tod
Texte

Fadengeheftete Klappenbroschur, 228 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Ins Deutsche übertragen von Marlies Ammann
Umschlag: Katja Schicht
ISBN 978-3-906061-12-2
28 Franken, 23 Euro
Juni 2017
Buchpräsentation: 17. Juni


Von 1991 bis 2000 war Charles Berthouzoz in zwei Westschweizer Bestattungsinstituten angestellt und hat für jene Würde gesorgt, die den Schrecken vor der eigenen Endlichkeit etwas dämpft. Davon lesen wir in seinen Texten aus dem Alltag eines Bestatters. Wir sind dabei, wenn eine Witwe zum offenen Grab geleitet wird, wo bereits die Geliebten des Verstorbenen stehen, als seien sie einer Szene aus einem alten französischen Film entsprungen; wir ballen mit dem verzweifelten Vater die Faust, dem mitgeteilt wird, am Wochenende sei die Gerichtsmedizin geschlossen, er könne seinen tödlich verunglückten Sohn nicht sehen.
All die Schicksale erschliessen sich uns dank Berthouzoz' Gespür für die Macht der Sprache. Kurze, rhythmische Sätze waren eines seiner bevorzugten Stilmittel. Daneben beherrschte er die Kunst der Aus­sparung, mit der er uns Freiräume schafft und zugleich unsere Einbildungskraft aktiviert. Das ist Literatur, das macht Literatur aus.
Katharina Kienholz

Entre 1991 et 2000, Charles Berthouzoz a été employé des pompes funèbres en Suisse romande et s'est occupé de cette dignité qui apaise les peurs face à la finitude de la vie. Ses textes nous livrent le quotidien d'un ordonnateur. Dans une scène tout droit sortie d'un vieux film français, nous suivons une veuve jusqu'à la tombe ouverte de son défunt mari autour de laquelle sont déjà rassemblées ses maîtresses. Nous serrons les poings quand un père désespéré se voit expliqué qu'il ne peut pas voir son fils mort dans un accident parce que l'institut médico-légal est fermé le week-end.
Ces destins tragiques se révèlent à nous grâce au sens aigu qu'avait Berthouzoz du pouvoir des mots. Il avait une prédilection pour les phrases courtes, rythmées. Sa maîtrise de l'ellipse nous offre des espaces de liberté et en appelle à notre imagination. Tout l'art de la littérature.
Katharina Kienholz
Traduction: Raphaëlle Lacord

Der Autor
Charles Berthouzoz

 

 

   

Hamed Abboud
Der Tod backt einen Geburtstagskuchen
Texte

Fadengeheftete Klappenbroschur, 152 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Umschlaggestaltung: Eliane Hürlimann
Zweisprachige Ausgabe, arabisch und deutsch
Aus dem Arabischen von Larissa Bender
Mit einem Nachwort von Stephan Milich,
ins Arabische übersetzt von Mahmoud Hassanein
ISBN 978-3-906061-11-5
28 Franken, 19 Euro
März 2017
Leseprobe

Die Übersetzung aus dem Arabischen wurde vom SüdKulturFonds in Zusammenarbeit mit LITPROM e. V. unterstützt. www.litprom.de

Hamed Abboud stammt aus Syrien. Aleppo, die Stadt, in der er studiert hat, liegt in Trümmern, viele seiner Freunde und Kollegen wurden getötet. »Der Tod hat viele neue Freunde gefunden«, sagt Hamed Abboud. »Das muss der Tod feiern – und deshalb backt er einen Geburtstagskuchen.«
Mit seinen Texten schlägt Hamed Abboud eine Brücke zwischen Geburt und Tod, zwischen Krieg und Frieden, Leben und Sterben. Sarkastisch, humorvoll, komisch und tragisch zugleich erklärt, analysiert und abstrahiert er, erweitert die Realität metaphorisch um eine neue Dimension, um der Ungeheuerlichkeit des Tötens etwas entgegensetzen zu können. Warum bombardieren syrische Piloten ihre Landsleute? Es muss ein Spiel sein. Domino – oder eines dieser Computerspiele, bei denen es darum geht, maximal viele Bausteine gezielt auszulöschen.
Die literarischen Arbeiten von Hamed Abboud heben individuelle Kriegserfahrungen auf eine Ebene, die dieses Leben erträglich macht. Ein Leben, das für Abboud in den letzten Jahren von vielen neuen Erfahrungen geprägt war: Erfahrungen, die er in der Geschichte »Was wurde aus den Zugvögeln« beschreibt. Eine Geschichte, die eindrücklich aufzeigt, wie Menschen in Europa dazu beitragen können, das Leben Geflüchteter einfacher zu machen. Eine Art Glücksgeschichte – allem Unglück zum Trotz.
Renate Metzger-Breitenfellner

»Fast wäre er in die Schweiz gekommen. Hätte ihn sein in der Schweiz lebender Kollege nicht gewarnt. Bloß nicht in die Schweiz, empfahl er ihm. Schlechte Stimmung. Also ist Hamed Abboud, Jahrgang 1987, nach Österreich gegangen. Da lebt er heute – als anerkannter Flüchtling.
Diese Anekdote erzählte der syrische Autor vor zwei Jahren dem Onlineportal Infosperber.ch. In der Schweiz war er trotzdem. Etwa im Sommer 2016, als er im Literaturhaus Zentralschweiz in Stans seine damals noch unveröffentlichten Texte las. Die sind nun Teil der vom Verlag pudelundpinscher in einer arabisch-deutschen Doppelausgabe veröffentlichten Publikation mit dem grotesken Titel Der Tod backt einen Geburtstagskuchen.
Der 2012 aus Syrien geflohene Abboud kramte für die 16 kurzen Texte, die in ihrer verrätselten Sprache wie verlängerte Gedichte daherkommen, aus seiner dicken Geldbörse aus Erinnerungen Episoden seiner Biografie. Verloren hat er sie auch nicht auf den 3151 Fluchtkilometern zwischen seiner Heimat Deir ez-Zor im Osten Syriens und dem österreichischen Exil. Es sind Eindrücke von Kriegszerstörung, Verlust und Flucht. Hinter der bitteren, sarkastischen Tonalität verbirgt sich aber eine gepanzerte Menschlichkeit und ein heiterer Sinn. Übersetzerin Larissa Bender bemüht sich nach Kräften und mit Fußnoten, dem in deutscher Sprache gerecht zu werden. Dennoch bleibt die kulturelle Distanz bei Sätzen wie Reue ist die einzige Konsequenz, die dieses Leben wahr werden lässt bestehen.
Abbouds Geschichten sind dialektische Kunststücke, in denen Leben und Tod fließende Übergänge besitzen. Der Autor mantelt Kriegsszenen in die Bildsprache der Marvel-Comics und vergleicht die Kriegszerstörung mit dem Umkippen nebeneinanderstehender Dominosteine. Die Zerstörung mag planlos wirken, und doch ist sie für den, der den ersten Stein antippt und dabei auf den größtmöglichen Schaden hofft, systematisch.«
Julia Stephan in der »Luzerner Zeitung« vom 9. März 2017

»Es sind […] nicht bloß deprimierende, von Verlust und Schmerz gezeichnete Texte, die Abboud uns vorlegt, sondern auch komische, abstruse, zuweilen sarkastische. Etwa der Opener Ich möchte einen Panzer fahren, der an Allen Ginsbergs The Green Automobile erinnert und ebenfalls im Konjuktiv verhandelt, was der Autor mit dem Gefährt im Sinne hätte: ›Ich würde Feinden, / Freunden, / Passanten, / Müttern / und Kindern zuwinken, / nicht näherzukommen. / Denn mein Panzer habe ‹Migräne›, / und ich wisse nicht, wann der nächste Anfall komme.‹ Es gibt sie aber auch, die himmeltraurigen Geschichten, etwa in Porträt unseres schönen Diktators, wo ein junger Mann in Schweden vor Freude Selbstmord begeht. ›Er hatte, nachdem sein Haus zerstört worden war, sein Grundstück verkauft, um ins Paradies zu kommen. Als er ankam, freute er sich und wollte deinen Namen mit seinem Blut und seiner Seele schreiben. [...] Er hatte sich die Pulsader aufgeschnitten und mit ihrem Inhalt das Wort ‹Danke› geschrieben.‹ Trotz aller Tragik blitzt immer wieder Humor auf, rabenschwarzer zuweilen: ›Warum haben die anderen die Fassbombe mit mir geteilt? Ich hätte gewünscht, sie hätte nur meinen Namen allein getragen, als eine Art Auszahlung meines Altersguthabens beim Austritt aus dem Staatsdienst‹, klönen die Bewohner in Ich, das alte Mädchen Massengrab. […]
Für die Literatur ist dieses Buch ein Glücksfall.«
Ivan Schnyder in »041–Das Kulturmagazin«, April 2017

»Haben die Verzweifelten in Maleks Geschichte* vielleicht den Rat seines jüngeren Kollegen Hamed Abboud befolgt? ›In einer Zeit, in der alle durch Kugeln sterben, denke darüber nach, fortzugehen und zu ertrinken‹, mahnt bissig der 1987 in Deir ez-Zor geborene Autor. ›Stirb sauber und steril durch das Salz des Meeres statt durch Chemiewaffen. Stirb vor Kälte in einem Kühlwagen auf der Autobahn. (...) Stirb durch giftige Pilze aus den mazedonischen Wäldern, und teile die Frühstückspilze mit deinen Freunden.‹ Abboud freilich hat die Flucht überlebt, die ihn über Ägypten, Dubai und die Türkei nach Österreich führte. Dass er zunächst als Lyriker hervortrat, lässt die bildstarke, assoziative Diktion seiner kurzen Prosatexte ahnen, die jetzt unter dem Titel ›Der Tod backt einen Geburtstagskuchen‹ beim Schweizer Kleinverlag pudelundpinscher erschienen sind.
Abbouds Skizzen bewegen sich zwischen der kriegsverwüsteten Heimat und der Totenruhe des Exils; gelegentlich ins Phantastische ausgreifend, häufig glitzernd vor Sarkasmus. Er apostrophiert den syrischen Landesherrn im ›Porträt unseres schönen Diktators‹ und analysiert anderswo dessen Vorgehen im Bürgerkrieg als eine nur scheinbar paradoxe Konjunktion von Planlosigkeit und Systematik: Das Geheimnis dieser Strategie liege ›in jener einen Bewegung verborgen, die einen ganzen Strudel von Stürzen und Zusammenbrüchen verursacht‹.
Aber auch Asylländer bekommen ihr Fett ab: Die Sicherheit, die er in Europa gefunden hat, empfindet der Autor ›so umfassend wie die Dunkelheit im Bauch des Walfischs in der Tiefe des Meeres‹, und seinen türkischen Gastgebern offeriert er auf blanken Messers Spitze Folgendes: ›Wir sind wie ihr. Kommt nur einmal zu uns, und wir werden uns für unsere hintergangene Großzügigkeit mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln rächen.‹ Beizufügen ist hier, dass Hamed Abboud in Österreich keineswegs auf Rache sinnt; er engagierte sich von Anfang an als Übersetzer und Helfer bei der Betreuung anderer Flüchtlinge, mittlerweile ist er so weit, dass er seinen Landsleuten Deutsch beibringen und eine Fortsetzung seines Studiums an einer österreichischen Hochschule ins Auge fassen kann.
Die Verwirrungen in der neuen Heimat sind anderer Art. Als Abboud (oder sein literarisches Alter Ego) Unterleibchen kaufen will, realisiert er, dass er seine Kleidergrösse nicht kennt, weil er immer abgelegte Sachen seines älteren Bruders trug. Daraus entwickelt er eine berührende Reflexion über die in seiner Heimat gängige Praxis, Kleidungsstücke nach Bedarf zu tauschen und auszuleihen. In der Fremde wird das Fehlen dieses Habitus empfindlich spürbar: ›Du bist langsamer als früher, denn du trägst nicht die Schuhe deines Bruders. Und du bist schwächer als früher, denn du trägst nicht den Mantel deines Vaters.‹
Schmal sind sie, die zwei hier vorgestellten Bändchen, beide von der unermüdlich für das gepeinigte Land kämpfenden Larissa Bender ins Deutsche übertragen. Aber sie geben, nach Jahren zermürbender Kriegsberichterstattung, radikal neue Einblicke in die syrische Befindlichkeit.«
© Neue Zürcher Zeitung AG.
Angela Schader in der »Neuen Zürcher Zeitung« vom 16. Mai 2017

*) Niroz Malek: Der Spaziergänger von Aleppo, Weidle-Verlag, 2017

Hamed Abboud im Österreichischen Rundfunk

Der Autor
Hamed Abboud

 

 

2016

 

 

Vera Schindler-Wunderlich
Da fiel ich in deine Gebäude
Gedichte

Fadengeheftete Klappenbroschur, 92 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Umschlaggestaltung: Stefan Steiner
ISBN 978-3-906061-10-8
28 Franken, 23 Euro
November 2016
Leseprobe

Ihr erstes Buch, der Gedichtband Dies ist ein Abstandszimmer im Freien, machte Vera Schindler-Wunderlich auf einen Schlag bekannt. Vom Bundesamt für Kultur wurde sie dafür 2014 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.
Nun legt die Autorin ihren zweiten Lyrikband vor. Sie dürfte damit bestätigen, was ihr Debüt schon erkennen ließ: dass sie ein ungemein feines Gehör und Gespür für die Klänge und Abgründe der Sprache hat und eine aufmerksame, sensible Beobachterin der Zeitläufte ist. Sie hat »das Auge einer Dichterin, das Abstandsauge« (Lioba Happel), kommentiert aber nicht vom Schreibtisch aus, sondern reflektiert immer auch, welche Rolle sie selbst im alltäglichen Geschehen mit seinen Schönheiten, Schrecken und Ambivalenzen spielt: als Mensch, als Geschöpf, als Schreibende.

»›Seetüchtig oder ländlich?‹
Ein wahres Kontrastprogramm hat sich diese Autorin vorgenommen. Im realen Leben arbeitet die 1961 geborene Vera Schindler-Wunderlich als Redaktorin und Protokollführerin des eidgenössischen Parlaments. Als Dichterin schreibt sie eine Lyrik, die sich ungemein spielerisch gebärdet. Zwar geraten ab und zu Vokabeln aus der Terminologie der amtlichen Dokumente in das Wortreich der Lyrikerin, aber bald einmal treiben sie es bunt und entführen uns ins Land einer grenzenlosen Fantasie. Die Frage ›seetüchtig oder ländlich?‹, die eines der Gedichte stellt, lässt sich vor diesem Hintergrund unschwer beantworten. Wer ein anarchisches Gen in sich trägt, wagt sich auf den Ozean der Wörter und treibt nur zu gerne weg aus der Domäne der Realprosa.
Überraschende Wortfindungen
Es verhält sich ähnlich wie im Umgang mit moderner Musik oder Malerei. Erwartet man von diesen Gedichten formulierbare Inhalte, glaubt man sich geprellt. Lässt man sich hingegen auf Rhythmen und Wortbilder ein, ohne am Ende eine verständliche Aussage zu fordern, ist man gut beraten. Vera Schindler-Wunderlich spielt mit der Sprache, sei dies mit Binnenreimen (›du willst Schokolade und Gnade‹), Kurzdialogen oder Anklängen an literarische Vorbilder – wobei besonders Anleihen aus dem Alten Testament eine Rolle spielen.
Sie entwirft surreale Welten, in denen die Fantasie jubiliert und nicht Zusammengehörendes verschwistert oder völlig verschiedene Ereignisse gleichzeitig ablaufen lässt, so dass Innen- und Aussenräume zusammenfallen. Immer wieder stösst man auf überraschende Wortfindungen, so im Gedicht ›Von den Arten des Mundes‹, in dem ›Ja- und Bravmund, Luft- und / Buttermund, endlich Schlafmund‹ genannt werden. Merkwürdige Einfälle purzeln in Hülle und Fülle durch die Zeilen. Einer schiebt Wolken und fährt auf seinem Dreirad in den Jüngsten Tag, anderswo ist es ›der Duft eines Flusses‹, der die Zeilen der Lyrikerin vorantreibt. Und diese lässt sich von vielem anstiften: von der Angst vor Gewaltakten, von der Befindlichkeit des Menschen in heilloser Zeit, aber auch von Bildern europäischer und japanischer Künstler.
Immer behauptet sich die poetische Sprache als autonome Kraft. Bändigend wirkt dagegen in diesem Reichtum eine deutlich rhythmische Formung. Und man glaubt es vielleicht nicht, aber es gibt einiges zu lachen, wenn sich die Autorin etwa dem Problem der Arterhaltung zuwendet und in einem Heiligen ebenfalls dieses Bemühen entdeckt: ›Selbst Sankt Martin wollte / seine Martinsart erhalten, freute sich / mit halbem Mantel / zitternd schon auf seine / Marke . . .‹«
Beatrice Eichmann-Leutenegger in »Der Bund« vom 26. November 2016

»Schindler-Wunderlich feiert das überraschend Evokative in ihren Gedichten, indem sie präzise beschreibt und zugleich das Beschriebene bedeckt hält. ›So wird's erzählt (wir hoffen, / dass es stimmt)‹.
Wie ließe sich über Politisches, Amtliches, Öffentliches dichten? Vera Schindler-Wunderlich gibt darauf Antwort auf eigenwillige Weise mit zuweilen verblüffenden Bildern. In ihren rund 50 Gedichten fallen zumindest dem Schein nach poesieferne Begriffe ins Auge: ›Staatsrechnung‹, ›Personenrecht‹, ›Wechselkurs‹, ›Nicht wahr, Geld‹ lauten überraschende Überschriften. Unter letzterer formuliert die Autorin auf vierzehn verdichteten Zeilen eine kryptische Geldtheorie, die der monetären Realität verräterisch nahe kommt.

›Geld ist nicht Geld, doch Quid pro quo bleibt wahr:
Muh will Ablass, Schuld bleibt updatebar.‹«
Beat Mazenauer auf »viceversaliteratur.ch«

»Wer in den Gedichten von Vera Schindler-Wunderlich liest, wird belohnt mit einem Ausflug in eine reiche Wörterwelt. Wörter verändern sich, spielen mit ihren eigenen Mutationen und mit der Vorstellungskraft des Lesers. Wie in einem Spiegelkabinett scheinen Bilder plötzlich verwandelt, erschreckend oder erfreulich, man kann sich nicht sicher sein. Und wie bei einem Gang durch das Spiegelkabinett erkennt man unversehens die eigene Nase, den Buckel des Nachbarn oder eine bekannte Gestalt wieder […] Wir sind verwirrt von der Fülle und der Vielfalt der Bilder, gezwungen, näher hinzuschauen, nach Bekanntem und nach Verwandtem zu suchen. Die Welle von Verstehen, die uns schließlich mit sich trägt, lässt sich nicht auf einzelne Aussagen reduzieren. Sie bildet vielmer ein polyphones Gesamtwerk, das jeder von uns für sich selbst vollendet, indem er sich darauf einlässt.«
Susanne Mathies in »orte. Schweizer Literaturzeitschrift«, Nr. 191, Mai 2017

Die Autorin:
Vera Schindler-Wunderlich

 

 

Dieter Zwicky
Hihi – Mein argentinischer Vater
Erzählung

Fadengeheftete Klappenbroschur, 168 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Umschlaggestaltung: Martina von Schulthess
Mit der »Stanser Rede für Dieter Zwicky« von Werner Morlang
ISBN 978-3-906061-09-2
28 Franken, 23 Euro
September 2016
Leseprobe

SCHWEIZER LITERATURPREIS 2017


Vor – im biografischen Sinn – unermesslich vielen Jahren hat Zwickys leiblicher Vater eine konkrete Berufsofferte aus Argentinien ausgeschlagen und mit ihr gleich einen gesamten Lebenskontinent für die Familie. Das Buchprojekt Hihi weint dieser vertanen Chance offenkundig nicht nach; vielmehr lacht es über die ausgekochte Unmöglichkeit, Südamerikanismen als Vaters Leben irgendwie organisch eingewachsene Realitäten mehr als bloss ahnen zu können.
Hihi – Mein argentinischer Vater überträgt der Sprache das vielleicht unzumutbare Geschäft, Ungelebtes darzustellen. Ein Vater, den es so nicht gibt, übersiedelt nach Argentinien (und für einen beinahe buchlangen Weekendausflug gleich weiter nach Uruguay) und überantwortet seinen Sohn, den es auch als Autor nicht gibt, der gnadenlosen Freiheit, vom noch unerfundenen Leben in der Pampa (»Prärie«) einigermaßen ausführlich zu berichten.
Ist dieses Leben in der Prärie das neue, das wahre, das geschönte, das unverschämte Leben?
Ist der Sohn des Höngger Prokuristen mit Fliehkraft bis nach Buenos Aires und Montevideo überhaupt ein geborener Sohn oder ein geborener Autor?

»Beim diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt wurde Dieter Zwicky mit dem Kelag-Preis ausgezeichnet. Seine Erzählung ›Los Alamos ist winzig‹ gefiel durch ihre konzentrierte Bedachtsamkeit. ›Hihi – Mein argentinischer Vater‹ bestätigt das Urteil mit einer sehr eigenwilligen Familiengeschichte.
Das ›Was wäre wenn‹ ist der universale Antrieb, um jene Leerstellen zu füllen, die die Wirklichkeit hinterlässt. Was also wäre, wenn Vater die Einladung nach Argentinien angenommen hätte? Diese Frage stellt Dieter Zwicky in seinem neuen Buch und gerät darob selbst gehörig ins Schmunzeln. […]
Fantasien sind Schäume: luftig und flüchtig. Das spiegelt sich in Dieter Zwickys Schreibweise, die sich weniger an prosaischen Fakten als an der poetischen Potenz des Erfindens orientiert. Er erzählt keine stringente Handlung, sondern setzt lose Sätze oder kurze Absätze hintereinander. […]
Eine gute Geschichte muss nicht stimmen und schon gar nicht wahr sein. Die Freiheit ist das Salz allen Erzählens und Munkelns. Die harten Fakten verlieren darob ihre Festigkeit. Sie werden weich. Argentinien liegt gleich neben Namibia und der Gin kommt aus ›urigen botswanischen Townships‹ – der beste, aber auch tödlichste, sagt man. […]
Dieter Zwicky liebt die sprachlichen Volten und narrativen Krümmungen. Seine Texte müssen mit Geduld gelesen werden: Satz für Satz mitsamt allen Leerräumen dazwischen. Diese sind es, die dem Text Halt verleihen und seine Widerspenstigkeit bewahren. In ihnen entsteht der typische ›Zwicky-Sound‹.«
Beat Mazenauer für den »Schweizer Feuilleton-Dienst (SFD)«

Die Geschichte? ›Nun ja, das ist schwer zu verstehen‹
Wer von einer Erzählung erwartet, dass sich eine zusammenhängende Geschichte verfolgen lässt, wird schon bald etwas ratlos bei der Lektüre innehalten. Schon beim Titel fangen die Fragen an: Kichert da einer, bevor er spricht? Oder ist ›Hihi‹ der Name des argentinischen Vaters? Auch beim Weiterlesen stellen sich Fragen über Fragen – die Stirn der Leserin wäre eine einzige Falte, würde ein Lächeln oder Lachen sie nicht immer wieder glätten. Wer läse nicht mit Vergnügen von den Vorzügen des mageren Platarinds (›Fleischbrühe auf Beinen! Rrhh!‹) oder erfreute sich nicht am nach roten Beeren süchtigen Namibwiesel, einem ›sportlich gebauten, attraktiven, wendigen Kleinreh mit dickem Fell‹ und ›Kopfgesang‹?
Immerhin dies: Offenbar ist der Vater des Erzählers nach Argentinien ausgewandert. Dort schläft er, steht auf, isst, singt, lacht, telefoniert, schreibt – es scheint ein speziell lebhafter, energiegeladener Mensch zu sein. Viele Dinge und Handlungen, die genannt werden, bleiben rätselhaft: was hat es mit dem zuckersüssen Saft auf sich, der ›Vater die Rasur ersetzt‹? ›Nun ja, das ist schwer zu verstehen‹ gibt der Erzähler zu und versucht es gleich nochmals:
Vielleicht so:
Vater riecht nach Fleisch und nach Haar.
Vater lächelt.
Er stinkt ein wenig.
Er lacht laut, hämisch.
Hämisch!

Der doppelte Vater – und die doppelten Kinder
Der argentinische Vater berichtet von seinem Leben, am Telefon und in Briefen. Er skypt vielleicht auch, denn da taucht seine Freundin Alicia im Gesichtsfeld auf – in gelben Unterhosen. Diese Unterhosen zieren übrigens als zweifaches Miniaturbild den Buchumschlag, den Martina von Schulthess wunderschön gestaltet hat.«

Ruth Gantert auf »viceversaliteratur.ch«

»Dieter Zwicky macht es sich und uns nicht einfach. Warum? Weil er ein wahrer Dichter ist. Widerständig, eigensinnig, kompromisslos. Auch in seinem fünften Prosaband zeigt er sich uns als Autor, für dessen Stil es keinen Vergleich gibt. In kerningen, kurzen, abschnittweise gegeneinander abgesetzten Sätzen erzählt er von seinem Vater und von sich selbst. Dabei wird alsbald klar, dass wir uns nicht in jener Sphäre bewegen, die unsere Schulweisheit als Realität bezeichnet. Wir tauchen ein in eine Welt magischer Imagination. Diese hat aber nichts Esoterisches. Sie bleibt geerdet im sinnlichen Empfinden. Farbig. Anschaulich. Bisweilen derb. Satz für Satz bohrt sich dieser Text in unsere Gedanken. Wir geraten in eine sich bald locker akzelerierende, bald quälend retardierende Sprachschraube, die uns nicht mehr loslässt. Der ratlose Verweis einer denkfaulen Literaturkritik auf Rober Walser, der zu Zwicky gehört wie das Amen in der Kirche, könnte nicht falscher sein. Walser, der Sanfte und Listige, mäandert, spielt, entflieht. Zwicky stanzt und insistiert. Er hämmert seine Sätze in unser vom ubiquitären Entertainment beschädigtes Bewusstsein. Mit Schlägen vor den Kopf weckt er uns auf.«
Manfred Papst in der »NZZ am Sonntag« vom 13. November 2016

»Dieter Zwickys Text orientiert sich weniger am Prosaischen als am Lyrischen. Er erzählt keine stringente Handlung, sondern setzt lose Sätze und kurze Absätze zueinander. In ihren Lücken und Übergängen geschieht, was den Zwicky-Sound ausmacht: das Innehalten nach jedem Punkt, bevor der neue Satz anhebt. Dieses Schriftbild regt förmlich eine laute Lektüre an, bei der die mal heitere, mal grimmige Komik, der unverdorbene Sprachwitz am schönsten erlebbar werden und die Lektüre zum speziellen Vergnügen machen. […] Keiner verstand diese verzwickte Literatur so gut wie der Lektor Werner Morlang, der mit dem Autor auch an diesem Buch gearbeitet hat. Doch er verstarb am 18. November 2015. Ihm ist das Buch auch gewidmet: ›Für Werner, der jetzt schweigt‹«.
Beat Mazenauer in »041–Das Kulturmagazin«, Dezember 2016

»Abenteuerlust ist dringend geboten, wenn man sich auf Dieter Zwickys neueste Erzählung ›Hihi – Mein argentinischer Vater‹ einlassen will. Denn diese löst vieles aus – Ratlosigkeit, Euphorie, Kopfschmerzen, Lachtränen: und zwar alles aufs Mal. Ausgangspunkt der Erzählung ist, wie der Autor insistiert, ein Jobangebot aus Argentinien, das Zwickys leiblicher Vater einst ausschlug. Hier kommt das ›Hihi‹ des Titels her. Denn Zwicky macht sich in seinem neuen Buch einen Heidenspaß daraus, seinem Vater ein argentinisches Leben zu erfinden. Absurd komische Momente und Formulierungen dominieren, beispielsweise, wenn Zwicky sich vorstellt, den literarischen Vater ›anzuheben und flugs in den nächsten Mauerwinkel zu klemmen; und ihn dort einfach zu lassen!‹ Es sickern aber auch viele liebvoll gezeichnete Vaterbilder durch, die sich zur Hommage verdichten. ›Lächelt Vater? Atmet er überhaupt? Ja, er lächelt, über Dinge. Über Dinge ohne jedes Gewicht.‹ Diese gewichtslosen Dinge – das fängt bei den zitronengelben Unterhosen auf dem Umschlag an! – sind die wahren Protagonisten des Buches, der Kern von Zwickys Prosa. Solche in den unverwechselbaren Zwicky-Sound gehüllte Banalitäten bereiten einem zweitweise Kopfschmerzen und erhöhen die Gefahr, sich vollends in diesem zugleich mit dem Tele- und Mikroskop geschriebenen Buch zu verlieren. Auch die skurrile Zusammenhangslosigkeit des Buches muss man aushalten können. Und wollen. Geduld und Aufmerksamkeit sind unabdingbare Voraussetzungen für die Lektüre von ›Hihi‹. Vor allem Zwickys durchkomponierte, teils unabsehbar lange Satzgebilde überfordern bei allzu routinierter Lektüre. Aber lesen wir nicht darum – um mit Leseroutinen zu brechen?«
Delia Imboden in »literarischer monat«, Dezember 2016 – Februar 2017

»Von einem gleichsam probeweise ausgewanderten Vater erzählt Dieter Zwicky in ›Hihi – Mein argentinischer Vater‹, und natürlich erzählt er von mehr und allem anderen. Dieter Zwicky, dem gewieften Autor von Texten schrägen Zuschnitts, ist manches zuzutrauen, nicht aber ein solides Interesse an herkömmlich erzählten Kausalitäten. Wenn er sich gelegentlich darauf einlässt, dann nur zum Schein, und nie lange. Als erzählerische Finte. Denn mit jedem neuen Abschnitt seiner Erzählung setzt sein Ich-Erzähler alles bisher Vorgebrachte wieder aufs Spiel.
Vertrautes kontaminiert er mit einer überbordenden Phantasie, und wenn es ihm danach ist, erfindet er das angeblich Vertraute. Etwa mit einem beiläufigen Satz wie diesem: ›Die Suppenlauchstreifen sind fingerbreit und exakt dreiundzwanzig Zentimeter lang – Urmass Argentiniens.‹
Wie diese fast schon apodiktische Sentenz ist auch alles andere in dieser Erzählung frei erfunden. Und dennoch ist alles sehr wahr: weil es da geschrieben steht. Als Teil einer Erzählung, die sich kraft der Imagination alles gestattet und das herbeiholt, was sie an erfundener Wirklichkeit gerade braucht. Als Teil einer Forschungsreise auf dem Feld der Literatur, mit offenem Ausgang. Mal stützt sich der Erzähler vorgeblich auf den Bericht des Vaters, mal weiss er selber, was dieser gesehen oder gedacht hat, und immer ist es überraschend.
Die erzählte Welt wird in grossem Tempo – und keineswegs systematisch – ausgeweitet, sie wird mit jeder Seite des (sehr schön gestalteten) Buches schräger und bunter.
Den schmalen und zugleich dichten Band beschliesst eine Rede auf Dieter Zwicky, die der Kritiker Werner Morlang im Sommer 2015 wenige Monate vor seinem Tod gehalten hat. Wie die vier anderen zuvor hat Werner Morlang auch dieses Buch von Zwicky lektoriert, und seine berührende Ansprache gibt nun eine ausgezeichnete Einführung in das Werk des Autors.«
Martin Zingg in der »Neuen Zürcher Zeitung« vom 24. Dezember 2016

»Zwicky ist ein, laut sei's gesagt, unschweizerischer Autor. Weil er das Bleischwere der Sprache, so wie einst der verbalerotisch andersgeartete Hermann Burger, in einen Fernfliegerteppich verzaubert, weil sich Zwicky hochschraubt in den Kosmos der Fantasie und zeigt, wie das Erfinden gehen kann, wenn man es zulässt, im Sprechen, im Schreiben.

Dass der Verlag dem schön gestalteten Paperback die Stanser Rede für Dieter Zwicky des Literaturwissenschafters Werner Morlang beigegeben hat, ist eine noble Geste. Nicht nur ist es wie so oft bei dem bärenhaft sanften Buchgelehrten ein gewitzter Kurzessay, sondern zudem eine schöne Hommage, da Morlang, der 2015 verstarb, lange die Bücher Zwickys als Lektor begleitete.«
Alexander Kluy in »Der Standard« vom 11. Januar 2017

»Wenn man diesen Roman zu Ende gelesen hat, fängt man am besten gleich nochmals von vorne an. Ein sinnlicher sprachlicher Genuss ist er zwar schon beim ersten Lesen. Aber erst beim Wiederlesen klären sich die Story, all die assoziativen Kurzsätze, die surrealen Bilder und schwindelerregenden Wortkaskaden. Denn einfach macht es uns Dieter Zwicky nicht. Das schreibt auch die Jury der Schweizer Buchpreise: ›Seine Bücher appellieren an die Geduld, und zugleich an den Spieltrieb.‹ Wenn Literatur ein kreatives Feld für Neugierige ist, dann sollten Literaturfreunde dieses Buch lesen.«
Hansruedi Kugler im »St. Galler Tagblatt« vom 17. Februar 2017

Audioaufnahme der Buchpremiere im Literaturhaus Zürich (22.9.2016)

Der Autor
Dieter Zwicky

 

 

Anne-Lise Grobéty
Um im Februar zu sterben
Roman

Fadengeheftete Klappenbroschur, 164 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Umschlagbild: Eric Bachmann
Aus dem Französischen von Andreas Grosz
Mit Fotografien von Eric Bachmann
und einem Interview von Ilse Heim-Winter mit der Autorin
ISBN 978-3-906061-08-5
28 Franken, 23 Euro
Juni 2016
Leseprobe

Um im Februar zu sterben von Anne-Lise Grobéty gehört zu den 30 Kandidaten der diesjährigen Hotlist.
www.hotlist-online.com

Die Geschichte lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Die 18-jährige Studentin Aude begegnet der vielleicht 35-jährigen Gabrielle, einer gebildeten, schönen, geheimnisvollen Frau. Sie ist Schauspielerin, Inhaberin eines Antiquariats, Belgierin, Jüdin, ist geschieden, alleinstehend. Und sie nimmt sich der jungen Frau an, die gegen die enge kleinbürgerliche Welt ihrer Familie rebelliert und in der doppelt so alten Frau eine lockende und tröstliche Gegenwelt verkörpert sieht: »Du bist die Mutter, die ich mir so sehr gewünscht hatte.« Doch in ihrer Umgebung wird diese Beziehung mit Argwohn und offener Ablehnung zur Kenntnis genommen. Es kommt zum Bruch.
Ein autobiografischer Roman? Nein. »Es ist alles wahr – außer der Geschichte«, so brachte es die Autorin einst auf den Punkt.
Was an diesem superben Début einer jugendlichen Autorin – Anne-Lise Grobéty schrieb den Roman im Alter von 18 Jahren – fast noch mehr beeindruckt als die zarte Geschichte, ist die genaue, an den Vorbildern des Nouveau Roman geschulte, suggestive, mitreißende Sprache. S. Corinna Bille, die eigentliche Entdeckerin dieser Schriftstellerin, schrieb seinerzeit: »Dieser Roman scheint aus einem einzigen Satz zu bestehen.«

»Eine Sensation der Schweizer Literaturgeschichte ist wieder da: ›Um im Februar zu sterben‹, der Erstling von Anne-Lise Grobéty.
Zu einem Kultbuch rückte dieser Text auf, als er 1970 unter dem Titel ›Pour mourir en février‹ erschien und bereits ein Jahr später auch in deutscher Übersetzung vorlag. Ein literarisches Wunder war geschehen, denn die Autorin Anne-Lise Grobéty, 1949 in La Chaux-de-Fonds geboren, hatte den Roman mit achtzehn Jahren geschrieben und gleich einen unverwechselbaren Ton angeschlagen.
Wie so viele ließ sich auch der 1958 in Luzern geborene und heute als Autor und Verleger tätige Andreas Grosz von der fließenden, lyrisch getönten Sprache faszinieren. Der Fünfzehnjährige las damals das Buch gleich mehrmals, und die Liebe zu diesem Text hielt an, sodass er nun eine Neuübersetzung gewagt hat, die den Rhythmus und das Strömen der Sprache zu wahren weiß. Leser von einst werden sich wieder an erregte Lektürestunden erinnern, Neueinsteiger werden in die Gefühlswelt der 68er-Generation und in die Mentalitätsgeschichte der späten Sechzigerjahre eintauchen. So wird das mit Fotos von Eric Bachmann und einem Interview Ilse Heims mit der Autorin ausgestattete Buch zum kostbaren Schatz.«
Beatrice Eichmann-Leutenegger in »Der Bund« vom 17. Juni 2016

»Mit diesem Roman brachte Anne-Lise Grobéty, die als Kind einer Arbeiterfamilie in La Chaux-de-Fonds geboren wurde, als Studentin nach Neuenburg kam und dort als junge SP-Politikerin neun Jahre lang im Kantonsparlament saß, einen neuen Ton in die Westschweizer Literatur. Zärtlich und radikal zugleich war er, ungeschminkt und weiblich. Stilistisch kommt die Autorin vor allem vom Nouveau Roman her. Ihre Begabung bewies sie abermals mit ›Zéro positif‹ (1975) und ›Infiniment plus‹ (1989). Andreas Grosz hat ihren grandiosen Erstling nicht nur ausgegraben, sondern auch neu und sehr gut übersetzt. Chapeau!«
Manfred Papst in der »NZZ am Sonntag« vom 19. Juni 2016

»Anne-Lise Grobétys Debüt erregte 1970 Aufsehen, weil sie die Nöte ihrer Heldin mit frecher, frischer Direktheit zur Sprache brachte. Offenkundig kümmerte sich hier eine sehr junge Autorin wenig um Konventionen. Ihr Buch sprüht nur so vor hochfliegendem Ungestüm.
In einem Interview mit der Zeitschrift ›Annabelle‹ gab sie 1971 zu Protokoll, dass sie das Buch während der sechswöchigen Universitätsferien geschrieben habe, als spontane Reaktion auf eine Preisausschreibung. Dieser Elan ist dem Buch gut anzumerken, wie eine weitere Aussage belegt: ›Ich gehöre nicht zu den Schriftstellern, die über einer Seite leiden, es ist ein Glückszustand – eine Droge.‹
Ihre Heldin aber krümmt und duckt sich unter den gesellschaftlichen Tabus, die ihr diktiert werden und ihr das freie Atmen rauben. In Ich-Form beschreibt Aude ihre schwankenden Gefühle zwischen Auflehnung und Ohnmacht. Dass sie es mit jugendlicher Inbrunst tut, ist die Stärke dieses Buches.
›Um im Februar zu sterben‹ brennt von zwei Seiten her. Das Feuer wird einerseits genährt durch die sich vertiefende Freundschaft mit Gabrielle, die Aude vor der Düsternis rettet. Andererseits brennt sich die glimmende Verzweiflung über den abrupten Bruch vom Ende her durch den Text.
Heute neu gelesen kann der Roman nicht ganz verhehlen, dass in ihm der Geist der 1960er Jahr weht. Das Ungestüm aber, mit der hier eine junge Frau von ihrer Unsicherheit und ihren Bedürfnissen nach Geborgenheit erzählt, bleibt noch immer spürbar – auch in der neuen Übersetzung von Andreas Grosz.«

Beat Mazenauer für den »Schweizer Feuilleton-Dienst (SFD)«

»Mit der Beschreibung einer Antiheldin, deren Focus ausschließlich um die eigene Wahrnehmung kreist, knüpft die Autorin Anne-Lise Grobéty an eine traditionell erwachsene Adoleszenzliteratur an, die bei Goethes ›Werther‹ beginnt, die Krise eines bürgerlichen Subjekts in nordeuropäischen und anglo-amerikanischen Sprachraum durchläuft und sich schließlich in einer aufbegehrenden Jugendliteratur diverser Kulturkreise der achtziger Jahre etabliert. Die Protagonistin kämpft nicht, sondern rebelliert bestenfalls gegen Konventionen innerhalb der eigenen Familie. Es sind keine politischen Querelen, denen sie sich widersetzt, sondern die aufkeimende Sexualität, die sie nicht einzuschätzen weiß. Neben den Gefühlen für einen männlichen Studienkollegen wächst in Aude eine Faszination für die körperlich und intellektuell deutlich reifere Gabrielle, wobei deren Präferenzen im Dunkeln bleiben. Aude beschreibt ihre Emotionen rückwirkend mit den Worten: ›Gabrielle […] du warst meine Art, Leben zu lernen, und es ist wichtig, dass man leben lernt, wichtig, dass man lachen lernt, oder nicht?‹.
Einfühlsam und mit makelloser Brillanz zeichnet Grobéty eine heranwachsende Figur, die ihr sehr vertraut zu sein scheint. Deren Rebellion gegen das Establishment schreibt sie sich zwar nicht auf die Fahne, bringt sie jedoch buchstäblich in den Aufbau der Erzählung mit ein. Die Protagonistin verliert sich im Alltag und taucht regelmäßig in ihren ganz persönlichen Rahmen ab – die Autorin arbeitet mit einem individuellen, teilweise gewöhnungsbedürftigen Gefüge aus Drucksatz, Sprache und Syntax.
Entstanden ist bereits in den frühen siebziger Jahren ein sensibles semantisches Kunstwerk, das Jahrzehnte nach seiner Ersterscheinung auf Französisch den Weg in den deutschsprachigen Buchmarkt gefunden hat. Aus ihm strahlt zeitlose Schönheit, die Freunde des psychologischen (Frauen-)Romans nachhaltig begeistert.«

Simone Klein, »Nie Fisch und noch nicht Fleisch – Eine westschweizerische Autorentochter schreibt sich frei« in BERG.LINK
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»Eine wahre Trouvaille ist dieser kleine Roman, eine Entdeckung für jene, die Anne-Lise Grobéty noch nicht kennen, eine große Freude für alle deutschsprachigen Leserinnen und Leser, die Grobétys Romane lieben und nun endlich wieder Zugang zu einem Text der viel zu früh verstorbenen Westschweizer Autorin (1949–2010) haben. Denn im Handel gibt es keinen ihrer übersetzten Romane mehr zu kaufen, zu finden sind nur einige wenige Restexemplare antiquarisch.
[…]
Der kleine Roman hat auch heute nichts von seiner Kraft verloren. Das liegt in der kunstvollen Art des Schreibens, die Anne-Lise Grobéty bereits zu ihrer Zeit als eine Autorin auszeichnete, die ihrer Zeit weit voraus war, und die weibliches Erzählen zu ihrer Hauptsache machte. Dem Übersetzer Andreas Grosz ist es gelungen, dieses Erzählen auch im Deutschen wiederzugeben. Seine Sprache ist leicht, fließend, sein Deutsch ist weit entfernt von dem Spröden, was unserer Sprache oft anhaftet. Er lässt die Geschichte, die nicht chronologisch erzählt wird, wachsen, mäandernd, umkreisend. Grobéty setzt eine genaue Sprache ein, die keine Erklärungen kennt, die auch die zeitlichen Abfolgen aufbricht, ein Nebeneinander, was sich auch in der Zeichensetzung – es gibt keinen Punkt – zeigt. Aude schreibt sich an jenem 17. Februar ihren Schmerz nach dem Bruch mit Gabrielle nicht vom Leib, sondern in den Körper hinein, die tiefe Freundschaft, die sie während weniger Monate erlebt hatte und die durchaus Verliebtheit und erotische Momente umfasste, wird zur unauslöschlichen Erfahrung, lustvoll und schmerzvoll. Was die damalige Jugend laut und kompromisslos auf die Straße trug – Widerstand gegen das bourgeoise Denken, gegen Prüderie –, hat Anne-Lise Grobéty mit wenigen Strichen sprachmächtig auf Papier gebracht, aus der Perspektive einer jungen, autonom denkenden Frau.«

Liliane Studer auf »viceversaliteratur.ch«

»Zur Absetzbewegung einer Jugendlichen vom Mief der Zeit gehört der heiße Kampf. Dem Text ist die Aufgeregtheit eingeschrieben, zum eigenen Ich zu finden gegen alle Widerstände von außen. Heute werden wir den Roman weniger als radikal, aber als unendlich traurig auffassen.«
Anton Thuswaldner in den »Salzburger Nachrichten« vom 7. November 2016
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Die Autorin
Anne-Lise Grobéty

 

 

2015

 

 

Monica Schwenk
Gogi. Drei Zeugnisse der Mühen
im Leben von Korrektor Schaffner

Roman

Fadengeheftete Klappenbroschur, 228 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Umschlaggestaltung: Niklaus Lenherr
ISBN 978-3-906061-06-1
28 Franken, 23 Euro
November 2015
Leseprobe

»Georg Schaffner arbeitet als Korrektor für eine Tageszeitung, die von einem Mediengrosskonzern aufgekauft wird, der bald darauf Text- und Inserate-Korrektur trennt und die ersten Kündigungen ausspricht. Am neu eingeführtenFreitagsapéro hält der Betriebspsychologe einen Vortrag, in dem er jeweils jenen Spirit beschwört, der die Mitarbeitenden dienstbar machen soll.
Gogi, wie ihn seine wenigen Angehörigen und Freunde nennen, realisiert, dass er den Vorgaben aus der Chefetage nicht mehr nachleben kann und will. Er wird in die Inserate-
Abteilung versetzt. Ein Abstieg. Wenn er auf sein bisheriges Leben zurückschaut, kommt es ihm vor, als habe er seit seiner Jugend die Realität und die eigenen Möglichkeiten
verschlafen.
Seit Wochen fehlen im Supermarkt Gemüse und Früchte; Vitamintabletten sind kein Ersatz. Von den äusserst wirkungsvollen braunen Pillen besitzt Gogi noch zwei. Überhaupt: Die politische und zivilgesellschaftliche Lage verschärft sich; die digitale ›neue‹ Welt gerät aus den Fugen. Wer zahlen kann, zieht in eine der bewachten Siedlungen. Nach längerer Zeit meldet sich Markus, ein Jugendfreund, wieder und bietet Gogi eine Fluchtmöglichkeit an. Dieser willigt ein, unter einer Bedingung: Renée, seine Nachbarin, die für ihn in den vergangenen Wochen ein Geschenk des Schicksals geworden ist, soll ihn begleiten.
Mit einer wuchtig-eruptiven Sprache verknüpft Monica Schwenk die Fülle von Episoden, Reflexionen und inneren Monologen. Daneben ist der dreiteilige Roman mit grotesker Komik durchsetzt, die wie ein Abgesang auf das Verschwinden der Qualitätsmedien wirkt.«
Katharina Kienholz

»Der Korrektor Gregor Schaffner gerät beruflich aufs Abstellgleis. Das wirtschaftliche
Umfeld wandelt sich und mit ihm auch seine Lebensbedingungen. Es wird eng. ›Gogi.
Drei Zeugnisse der Mühen im Leben von Korrektor Schaffner‹ heisst der schöne Titel
des in vielerlei Hinsicht höchst bemerkenswerten Debüts von Monica Schwenk.
Die 54-jährige, in Basel wohnhafte Autorin arbeitet nach Studien in Deutsch, Geschichte und Philosophie seit 20 Jahren als Zeitungsund Literaturkorrektorin. Wer deshalb glaubt, sie kenne aus eigener Erfahrung, was ihrem Helden widerfährt: irrt. Ihr Debütroman ›Gogi‹ entfaltet vor unseren Augen eine sehr sonderbare Welt. Alles ist im Umbruch begriffen. Akquisitionen und Übernahmen verwandeln Schaffners Zeitung in eine potente Marketingmaschine, in der für den Korrektor gerade noch Platz in der Inserate-Abteilung bleibt. Er duckt sich, lehnt sich nur innerlich auf. Regelmässig wird er zum Gespräch mit dem Betriebspsychologen gebeten, der für sein smartes ›Wir-wollen-ganz-offen-sein-miteinander‹ bloss noch ›Wi-wo-goff‹ genannt wird. Jeden Freitag trichtert dieser der ganzen Belegschaft den Spirit der neuen Dienstleistungsgesellschaft ein: Probleme heissen Herausforderungen und der Kunde ist König, weil er nicht bemerken soll, wie er ausgenommen wird. [...]
›Gogi‹ ist ein formidables Debüt, das nicht der Ironie entbehrt. Die Autorin verfügt souverän über die sprachlichen Mittel, um Schaffners Beklemmung mit sarkastischer Komik zu spicken. Monica Schwenks Gesellschaftskritik klingt unangestrengt und frei von grellen Effekten. Deshalb dürfen wir in ihrer Utopie eines allumfassenden Marketings gerne Anleihen aus unserer Gegenwart erkennen. Die Absurdität markiert den Endpunkt der Realität. Ob das für ein Happy End mit Gogis Nachbarin Renée taugt? Darüber schweigt sich das Buch wohlweislich aus.«

Beat Mazenauer in »041–Das Kulturmagazin«, November 2015

»Einsamer Ritter der Rechtschreibung
Wird einer, der Gogi gerufen wird, auch wirklich ernst genommen? Georg Schaffner, der den titelgebenden Kosenamen trägt, führt jedenfalls eine reichlich verknorzte Existenz. Gogi ist das, was man gemeinhin einen Versager nennt. Zu seinen Kindern hat er den Kontakt verloren; nicht einmal die SMS seines Jugendfreundes Markus beantwortet er. Auch beruflich geht es bergab. Einst war Georg ein ›Ritter der Rechtschreibung‹ bei einer Tageszeitung. Dann aber wird die Redaktion umstrukturiert, der CEO beschwört einen neuen ›Spirit‹, und ein Textgenerator bereitet die News automatisch auf. Für Georg bleiben nur noch die Inserate übrig. ›Sitze auf meinem Stuhl und sehe der Welt beim Funktionieren zu‹, notiert der unterforderte Korrektor. Die eigenwilligen Gedanken, die sich derweil in seinem Kopf tummeln, zeichnet Monica Schwenk in ihrem Prosadebüt mit viel Wortwitz nach. Bissig karikiert die Autorin, selbst Korrektorin bei der NZZ, das Getöse eines Medienkonzerns, der in der schönen neuen Digitalwelt sämtliche Inhalte über Bord wirft. Derweil steuert die Welt auf das ›Ende alles Bisherigen‹ zu. Kliniken und Schulen werden geschlossen, es gibt keine frischen Lebensmittel mehr zu kaufen, auf der Strasse wird geschossen. Es ist Zeit, dass Gogi einen Fluchtversuch wagt. Aus der Mediensatire ist unversehens eine aberwitzige Dystopie geworden.«

Martina Läubli in der »Neuen Zürcher Zeitung« vom 25. Februar 2016

Die Autorin
Monica Schwenk

 

 

Poetische Schweiz – Suisse Poétique – Svizzera Poetica –
Svizra Poetica – Poetic Switzerland – Swiss Berpuisi

Gedichte – Poésies – Poesie – Poesias – Poems – Kumpulan Puisi

Herausgegeben vom Verein »Poetische Schweiz«

Mit Gedichten von Donata Berra, Vanni Bianconi, Odile Cornuz, Viviane Egli, Brigitte Fuchs, Wolfram Malte Fues, Fernando Grignola, Brigitte Gyr, Markus Hediger, Svenja Herrmann, Ulla Klomp, Thilo Krause, Fred Kurer, Verena Lang, Ruth Loosli, Susanne Mathies, Pierre-André Milhit, Ingeborg Rotach, Thomas Röthlisberger, Vera Schindler-Wunderlich, Olivier Sillig, Markus Stegmann, Brigitte Tobler, Clemens Umbricht, Hedi Wyss

Mit einem Vorwort von Anna Kulp, Projektleiterin

Komplett sechssprachig (deutsch, französisch, italienisch, rätoromanisch, englisch, indonesisch)

Fadengeheftete Broschur, 200 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
ISBN 978-3-906061-07-8
29 Franken, 23 Euro
Oktober 2015

Aktuelle Schweizer Gedichte, geschrieben von Mitgliedern des AdS, ausgewählt von
einer internationalen Jury, herausgegeben vom Verein »Poetische Schweiz«, der vom
AdS, den Literaturtagen Zofingen und der edition pudelundpinscher getragen wird.
Der zweite Band versammelt wiederum rund 25 unveröffentlichte Gedichte und bietet
damit einen attraktiven Einblick in die Schweizer Lyrikszene. Alle Gedichte werden
in die jeweils anderen Landessprachen, zudem ins Indonesische – Indonesien ist 2015
Gastland der Frankfurter Buchmesse – und neu auch ins Englische übersetzt.
Die Anthologie wird an den Indonesischen Literaturtagen Zofingen (23.–25.10.2015)
und an weiteren öffentlichen Veranstaltungen präsentiert.
Ziel des Projekts »Poetische Schweiz« ist es, der Lyrik in der öffentlichen Wahrnehmung
mehr Gewicht zu verleihen. Das Projekt wurde 2011/12 zum ersten Mal durchgeführt.

Interview mit dem Indonesisch-Übersetzer Sigit Susanto (Deutsche Welle, 3.9.2015)

 

»(Hin)übersetzen – nicht ganz einfach

Es gibt Wörter, die es nicht gibt. Im Gedicht ›Landläufiges‹ lautet eine Zeile ›die Wiesenschaumkrautwiesen‹. In Indonesien existiert jedoch kein Wiesenschaumkraut. Dieses Problem löst Sigit Susanto, der Autor, der schon Kafka ins Indonesische übersetzte, indem er den evozierten optischen Eindruck beschreibt. So klingt die Zeile dann ungefähr so: ›die kleine lila Blüten Wiesenkraut Wiesen‹.
Und wie soll ›Heu‹ übersetzt werden? In Indonesien wird ausser dem Reisstroh kaum je ein Halm trocken. Einwohner der Tropen können ihrem Vieh an jedem Tag des Jahres frisches Gras vorlegen. Das umständliche Heumachen ist nicht notwendig. Der Übersetzer Sigit löst dieses Problem mit der Umschreibung trockenes Gras, obwohl es eigentlich ein Wort für Heu gäbe. Dies ist jedoch ›slang‹ und nicht reines Hochindonesisch. Sigit weiss zudem, dass die Bedeutung für Heu in unseren Breitengraden nicht identisch mit der Bedeutung des Slangwortes für Heu in Indonesien ist. Denn dies ist eine Abwandlung des holländischen Wortes für Heu und wird bis heute in der indonesischen Schule mit der europäischen Redewendung ›Wenn man verliebt ist, versteckt man sich im Heu‹ begreiflich gemacht. Generationen von Indonesiern haben diese Wendung verinnerlicht. Was jedoch unter Heu genau zu verstehen ist, ist den meisten unklar. Bis heute interessieren sich daher Indonesier, die nach Europa reisen, insbesondere dafür, einmal echtes Heu zu sehen.«

Aus: Franziska Hämmerli, JULI Kulturmagazin Aargau, Nr. 58, 2015

 

 

Astrid Schleinitz
drei monde
Gedichte

Klappenbroschur, 92 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Umschlag: Petra Schleemilch
ISBN 978-3-906061-05-4
20 Franken, 17 Euro
Ist im März 2015 erschienen
Leseprobe

»Astrid Schleinitz' poetischer Blick, noch an den Bildwelten des vordigitalen Zeitalters geschult, kreiert außergewöhnlich schöne Gedichte; durch fein gewobene Reminiszenzen hindurch greifen sie zurück in die Wunderkammern der Jahrhunderte. In manchmal überraschende Interpunktion gefasste Satzgefüge werden zu poetischen Tableaus: Die berühmten ›drei Sonnen‹ aus Schuberts Winterreise, überhitzte Wahnsinnsbilder eines zutiefst romantisch leidenden Gemüts, sind hier ausgekühlt in einer Welt von ›drei Monden‹. Vielfach und vielfältig erloschen ist die Gefühlsaura des Sichtbaren. Wortmagie, Lautzauber, Melancholie, Sehnsucht – in den Gedichten der Astrid Schleinitz werden diese durch einen exakt geklärten Gedankengang ebenso wie durch eine beinahe fotografische Poesie der Farben, Formen, Töne angegangen. So erregen diese Gedichte im modernen Leser Gefühle: sie verweisen auf einen immensen Verlust in unserer Wahrnehmung.«
Lioba Happel

»Der Mond ist das Leitgestirn in Astrid Schleinitz' Gedichtband drei monde. Er taucht Städte und Landschaften in sein milchiges Licht. Und er umflort gleichsam die Anschauung der Dichterin, der er etwas Traumwandlerisches verleiht, das auch tagsüber nicht verfliegt. Die Gedichte erzeugen eine Aura des Befremdlichen und dennoch Vertrauten. Sie appellieren an ein Geheimnis, das sich in den komplexen Zeilen verbirgt. Alles ist brüchig.
Ein Charakteristikum bildet ihre lyrische Form: Beschreibende Langzeilen malen mit Worten poetische Tableaus. Sie erwecken im innern Auge expressive, ja geradezu expressionistische Landschaften – nicht mittels Metaphern, sondern durch ihre kräftige Farbigkeit. ›die schiefen schuppen, die späten heuschober in abgesättigtem / rosa, leuchtendem grün, wertvoll in ihrer undurchsichtigkeit // wie die blauschwarzen dellen im gelände und der steinbruch / in geistergrau teil eines traums ...‹
›abendmohnrot‹ und ›blaues frostglühen‹ bilden Pole des Spektrums, zwischen denen diese Gedichte oszillieren. Die ›farbflüsse‹ brechen sich am winterlichen ›ciel quintessencié‹ Berlins, unter dem Samuel Beckett im Dezember 1936 geht, bevor er Noldes Aquarelle sieht, wie die Dichterin imaginiert: ›immer noch brennen sie, flammen in erdlöchern, / befreite seelen die steigen, kleine öfen, biwak, / aber nicht seins –‹.
Astrid Schleinitz erzeugt einen ganz und gar eigenen lyrischen Duktus. Indem sie Bilder von Landschaften und Jahreszeiten in ein kunstvoll poetisches Gefüge transformiert, das farbgesättigtes Eigenleben erhält, fordert sie die Leserinnen und Leser zu persönlichen Interpretationen heraus. Sie können sich dabei auf keine auferlegten Gewissheiten verlassen. Das Stakkato der grammatikalischen Zeichensetzung folgt zuweilen und widerspricht mitunter der Interpunktion der Lektüre. Lautes Lesen fördert die inliegende Spannung zutage – und hebt sie auf, am Schluss offen, stets ohne Punkt und Ende.«
Beat Mazenauer in »041–Das Kulturmagazin«, April 2015

»Empfindsame Anleitung zum Bildaufbau
Der Band drei monde wirkt schmal und handlich, enthält aber eine Fülle von Gedichten zu sechs Themenkreisen und einige kurze lyrische Prosatexte. Das Gefühl, mehr zu bekommen als erwartet, setzt sich fort, sobald man sich auf eines der Gedichte einlässt.
Astrid Schleinitz lässt den Leser nicht träumend in ihre Bilderwelt von Naturbeobachtungen hineingleiten, sondern lenkt ihm immer wieder den Blick in eine exkakt definierte Richtung, als ob sie sagen wollte: Schau genau hin, sonst verstehst du es nicht. Sie baut Stimmungen auf mit einer Abfolge von Adjektiven, die jedes einen eigenen Geschmack, einen eigenen Ton, eine eigene Farbe zu haben scheint. Wenn zum Beispiel im Gedicht flache nächte von Vogelgeräuschen die Rede ist, die ›reiben leise leicht knöchern / nah, unerreichbar früh‹, dann entsteht
eine atemlose Spannung, die jedes Wort unentbehrlich macht. Wenn ich nicht genau hinhöre, einen Begriff verpasse, entgeht mir das vollständige Bild. Die gespannte Erwartung auf eine intensive Entfaltung der Sinneseindrücke lässt auch beim zweiten Lesen nicht nach; die Erfahrung des schrittweisen Aufbaus ist zu kostbar, man möchte sie wieder aufbauen, wohl wissend, wie flüchtig sie ist. Das Buch endet mit einer Textstelle, die dies zum Ausdruck bringt: ›… und ein gesprenkel darin, ein sanftes huschen in der nacht, kleines gestöber.‹«
Susanne Mathies in »orte, Schweizer Literaturzeitschrift« Nr. 186, Mai 2016

Die Autorin
Astrid Schleinitz

 

 

2014

 

 

forza staerke

Bruna Martinelli
La forza delle donne

Racconti
Die Stärke der Frauen

Geschichten

Fadengeheftete Klappenbroschur, 196 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Italienisch und deutsch
Übersetzung: Andreas Grosz
Vorwort von Giancarlo Verzaroli
Mit historischen Fotografien
ISBN 978-3-906061-04-7
28 Franken, 23 Euro
Ist Anfang November 2014 erschienen

Brossura, 196 pagine, 13.2 x 17.6 cm
Testo italiano e traduzione tedesca (Andreas Grosz)
Prefazione di Giancarlo Verzaroli
Con fotografie storiche
ISBN 978-3-906061-04-7
28 fr. / 23 €
In vendita a partire dal 9 novembre 2014

Leseprobe / Estratto

Bruna Martinelli, die 88-jährige Bäuerin aus Avegno im Maggiatal, legt in ihrem zweiten Buch eine Sammlung von Frauenporträts vor.
Es sind Erinnerungen an Frauen, die zum Teil noch tief im 19. Jahrhundert geboren wurden: tapfere, tüchtige, liebevolle Frauen aus ihrer Verwandtschaft, ihrer Nachbarschaft, aus ihrem Dorf. Dabei entwirft sie das Bild einer condition féminine, wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im ländlichen, katholisch geprägten Tessin noch gang und gäbe war, das Bild einer Frau, die nur etwas galt, wenn sie verheiratet und als billige Arbeitskraft zu gebrauchen war.
Wer In den Falten der Zeit, Bruna Martinellis erstes Buch, gelesen hat, wird in ihrer neuen Geschichtensammlung ein paar alte Bekannte wieder antreffen und Neues über sie erfahren: zum Beispiel über die Großmutter Felicita, die mit dreißig einen sechzigjährigen Witwer geheiratet hatte. Oder über die Ghidaza Luisina, die der kleinen Bruna beibrachte, wie Ziegen, Kühe und Schafe gemolken werden, sie aber für Arbeiten wie Stricken und Häkeln nicht wirklich begeistern konnte.
Das Buch ist komplett zweisprachig.
Die Geschichten erscheinen hier auch auf Italienisch zum ersten Mal.

Nel suo secondo libro, Bruna Martinelli dedica i propri ricordi a varie donne del suo paese e abbozza così l'immagine di una «condition féminine» molto comune nel Ticino rurale e religioso della prima metà del Novecento: l'immagine di una donna che aveva valore solo se era sposata e sapeva svolgere ogni lavoro di cui c'era bisogno. «Attualmente si parla tanto di uguaglianza tra uomo e donna. Mi sta bene, la trovo giusta. Mia nonna avrebbe detto che il mondo era diventato matto; a sentire lei, le donne dovevano ubbidire, lavorare, risparmiare e mai, mai starsene con le mani in mano. Ho visto donne con i ferri da calza in opera anche quando andavano in montagna. Per loro c'erano i carichi più pesanti e i lavori più noiosi. Tante erano considerate poco più delle bestie nella stalla.» (Bruna Martinelli)

»Es sind Frauen, die sich im Valle di Maggia zu Beginn des 20. Jahrhunderts um die Kleintiere kümmern. Es sind Frauen, die das Vieh hüten, und es sind vielfach Frauen, die das Land bestellen. Die Arbeit, die niemand machen will: Frauen müssen sie verrichten. Der damalige Status einer Frau, erfährt man bei Bruna Martinelli, kam oft dem Vieh gleich. Dazu öffneten sich kaum Perspektiven: ›Für Mädchen war die Auswahl nicht gross: heiraten, Kinder haben und auf dem Feld arbeiten.‹ Das zweisprachige Buch Die Stärke der Frauen ist ein Spaziergang durch persönliche Lebenserinnerungen, Zeiten und Orte.«
Bruno Bachmann in »041–Das Kulturmagazin«, November 2014

»Ein wunderbarer, zweisprachiger Lesestoff.« Transhelvetica. Schweizer Magazin für Reisekultur (Nr. 27, März–April 2015)

«Sono dotata di una grande memoria, non per le date, ma per aneddoti e vicende del passato. Alcune mi sono state tramandate da mia nonna, altre dalla Ziapia che, con la sua memoria formidabile, è stata per me una fonte straordinaria di informazioni. Storie che in parte risalgono alla fine del settecento. Perciò, vista la mia età, mi sento un po' come una delle ultime testimoni di due secoli di storia di Avegno. A quei tempi pochi sapevano scrivere, tanto meno le donne, quindi tutto ciò che capitava veniva affidato alla memoria della gente, attraverso i racconti degli anziani, un po' come accade ancora oggi in certe popolazioni primitive.» Bruna Martinelli in una intervista con Piera Gessler,
in: «A tu per tu», numero 25, maggio 2015 (rivista del comune di Maggia TI)

Per leggere l'intera intervista

2012 erschien bei pudelundpinscher »In den Falten der Zeit«, die deutsche Fassung ihres ersten Buches (»Fra le pieghe del tempo, Armando Dadò Editore, Locarno 2009).

Interview von Alexander Grass mit Bruna Martinelli, Radio SRF2 (28.11.2014)

Die Autorin / L'autrice
Bruna Martinelli

 

 

2013

 



Dieter Zwicky
Slugo

Ein Privatflughafengedicht

»Was Dieter Zwickys Schreiben, was schließlich sein Denken auszeichnet, ist die Fähigkeit, sich der inneren und der äußeren Welt auf eine Art zu nähern, die – um auf die Begrifflichkeit der Aviatik zurückzukommen – auch unseren Luftraum und unseren Horizont ausdehnt und erweitert ...« Rolf Hermann

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Andreas Grosz
Der Zwilling unter dem Kirschbaum

Erzählung

»Andreas Grosz gelingt in seiner durch die Erinnerung Beats mäandernden Erzählung Der Zwilling unter dem Kirschbaum ein lakonisch-poetisches Kammerstück von tiefem Ernst und beklemmender Komik, vor allem aber die anrührende Geschichte um ein voller Zartheit und Sehnsucht beschriebenes Kind.« Jan Koneffke

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Franco Borgogno
The Vancouver Interview

Fragmente eines Lebens und Werkes im Zeichen einer psychoanalytischen Berufung

In diesem 2007 entstandenen Interview erzählt Franco Borgogno seinen persönlichen und beruflichen Werdegang.

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2012

 



Vera Schindler-Wunderlich
Dies ist ein Abstandszimmer im Freien

Gedichte

SCHWEIZER LITERATURPREIS 2014

»… Gedichte, die virtuos und forsch politisches Geschehen mit literarischen Reminiszenzen verbinden, die ihre Motive aus dem Alltag wie aus den imaginären Räumen gleichermassen gewinnen.« Roman Bucheli in der »Neuen Zürcher Zeitung«

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Bruna Martinelli
In den Falten der Zeit
Erinnerungen einer Bäuerin aus dem Maggiatal

Bruna Martinelli erzählt vom Leben in ihrem Tessiner Dorf. Sie beschreibt Werk- und Feiertage, gewöhnliche und ungewöhnliche Menschen und spürt in den Falten und Furchen der Zeit die Gerüche, Farben und Geschmacksempfindungen auf, die zum Land ihrer Kindheit gehören.

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Beatrice Maritz
für jetzt

Diese Texte sind Dichtung im Rohzustand, unbearbeitet, unlektoriert, unkorrigiert – poésie brute.

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2011

 

Dem Papagei bleibt die Spucke weg / Alex Zwalen

Denise Buser
Dem Papagei bleibt die Spucke weg

Fabeln und Fakten

Ein Rebhuhn verliebt sich in einen Igel, ein Lamm heiratet eine greise Wölfin, zwei Amöben gehen auf die Beerdigung ihres Onkels, ein Pudel lernt Dänisch, und drei Pinscher geben Ratschläge – in den 81 Fabeln, die Denise Buser hier vorlegt, wird geliebt, begehrt, gestritten, intrigiert und philosophiert. Vor allem aber tüchtig fabuliert.

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Wo die Bilder wohnen

Beat Brechbühl, Silvano Cerutti, Franca Pedrazzetti
Wo die Bilder wohnen. Der Maler Jürg Wylenmann besucht sein Werk
Fotografien: Beat Brechbühl und Franca Pedrazzetti
Texte: Silvano Cerutti

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Poetische Schweiz

Poetische Schweiz – Suisse Poétique – Svizzera Poetica –
Svizra Poetica – Ljóðræna Sviss

Gedichte – Poésies – Poesie – Poesias – Ljóð

Herausgegeben von Literaturtage Zofingen und Autorinnen und Autoren der Schweiz AdS

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Buchzeichen Zeichenbuch / Martin Sutter

Martin Sutter
Buchzeichen Zeichenbuch

Zeichnungen

Ein Schwerpunkt von Martin Sutters Schaffen sind die Zeichenbücher. Es sind keine Skizzenbücher – jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn –, sondern Reinhefte, in die er mit großer Konzentration seine eigenartig zwischen Figur, Ornament und Zeichen schwebenden, bisweilen an Bildergeschichten, bisweilen an Kalligraphie gemahnenden Gebilde zeichnet oder schreibt oder malt, und dies freihändig und ohne zu korrigieren. Es handelt sich dabei um eine Art künstlerisches Tagebuch. Er führt es seit mindestens 35 Jahren.

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Viel Lärm um Alles

VIEL LÄRM UM ALLES. Barockes in der zeitgenössischen Kunst

Herausgegeben und eingeleitet von Bruno Z'Graggen und Barbara Zürcher

Ein barockes Bilderbuch mit 21 Positionen aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Installation, Plastik und Video.

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2010

 

Le nouveau vague

LE NOUVEAU VAGUE

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Edition 5 Erstfeld

Edition 5 Erstfeld

Der Kunstschatz von Erstfeld

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2009

 

Maria Magdalena Z'Graggen

Astrid Schleinitz
WIRBELTIER

Gedichte

»Wirbeltier ist ein stilistisch in sich geschlossener Gedichtband, getragen von einem ruhigen langen Atem, der alle Texte gleichförmig durchfließt. Die Gedichte bestehen aus sorgfältig und behutsam formulierten Beobachtungen und Naturbeschreibungen. Sie sind eine Art Bitte um Aufschub.«
Anne-Marie Kenessey in »orte, Schweizer Literaturzeitschrift«

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Martina von Schulthess

Wilfried Happel
Abstecher ins bürgerliche Jenseits
Prosa

»Realität, Traum, Nähe, Distanz, Logik, Irritation, Diesseits, Jenseits auf einem Karussell. Das Karussell dreht sich. Nie kannst du davon ausgehen, dass die Dinge so sind, wie sie dir erscheinen.«
Sabine M. Krämer

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Werner Schmidt

Lioba Happel
land ohne land

Gedichte

»Vom Balancieren an den Rändern des Lebens ist die Rede, von Schwindel, Stürzen und der überraschten Dankbarkeit für einen letzten glücklichen Tag. Und jedesmal werden die träumerischen Ausschweifungen aufgefangen durch die unaufdringlich rhythmisierten, manchmal bis zur Härte elliptischen Verse. Es ist der vertraute Sound einer eigensinnigen Dichterin; beim Wiederhören bemerkt man, wie man ihn vermisst hatte.«
Heinrich Detering in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«

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2008

 

die 15 wünsche

Die 15 Wünsche
Ein Buch von 23 Kindern

Ein Nachbarskind, die damals neunjährige Celia, stand im Herbst 2007 vor unserer Haustür und sagte: »Ihr macht doch Bücher. Ich habe hier eine Geschichte, die ich geschrieben habe.« Sie überreichte uns eine Mappe.

»... Kindergeschichten, die so erfrischend direkt, so überraschend bizarr und so herrlich anders geworden sind als alles, was die großen Autoren der Zeit so schreiben.«
Manuela Kalbermatten in der »Neuen Urner Zeitung«

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Katja Schicht

Katja Schicht
Dieter Zwicky

Die Höhe des Kopfes über den Augen
Ein Buch mit Bildern und einem Text

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Maria Zgraggen

Lisa Elsässer
OB UND DARIN

Gedichte

»Jedes Gedicht ein Feldstück, auf dem angebaut und geerntet, ein abgesteckter Claim, der aufgegraben, durchwühlt, nach Findenswertem durchsucht wird. Nicht wie die meisten ihrer Gattungsgenossen die haltlose Gestalt einer ausgefransten Fahne haben diese Gedichte, sondern eine intakte äußere Form; im Gegenzug haben sie das Brüchige, Geklüftete, Inhomogene augenfällig in ihr Inneres aufgenommen.«
Helwig Brunner in »Ostragehe«

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2007

 

Cecilia Falk und Berenike Falk

Lioba Happel
LUCY oder Warum sind die Menschen so komische Leute

Ein Buch für Elf- bis Hundertelfjährige

»Es gibt Wendungen in dieser Erzählung, die einen ganzen Leser-Tag retten könnten. Es gibt so schöne Sätze wie Seine Stimme war jetzt so rau und zerbrechlich wie ein Reibeisen aus Glas. Und es gibt, von der ersten bis zur letzten Seite, dieses unauffällig raffinierte Spiel mit Schrift und Stimme - die Kunst, eine Kindergeschichte nicht mit verstellter Stimme zu erzählen, sondern in einer ganz diskret und ganz leichtfüßig arrangierten Zweistimmigkeit.«
Heinrich Detering

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Christian Macketanz

Andreas Grosz
Fahnenflucht mit der Lokalbahn
Prosa

»Ein Traumgänger ist Andreas Grosz, wundersam entfernt von jedem kruden Realismus, auch wenn sich fast alle seiner Prosaskizzen vorerst in der Wirklichkeit verankern.«
Beatrice Eichmann-Leutenegger in der »Neuen Zürcher Zeitung«

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