Monica Schwenk, Gogi, Korrektor

Monica Schwenk
Gogi. Drei Zeugnisse der Mühen
im Leben von Korrektor Schaffner

Roman

Fadengeheftete Klappenbroschur, 228 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Umschlaggestaltung: Niklaus Lenherr
ISBN 978-3-906061-06-1
28 Franken, 23 Euro
November 2015
Leseprobe

»Georg Schaffner arbeitet als Korrektor für eine Tageszeitung, die von einem Mediengrosskonzern aufgekauft wird, der bald darauf Text- und Inserate-Korrektur trennt und die ersten Kündigungen ausspricht. Am neu eingeführtenFreitagsapéro hält der Betriebspsychologe einen Vortrag, in dem er jeweils jenen Spirit beschwört, der die Mitarbeitenden dienstbar machen soll.
Gogi, wie ihn seine wenigen Angehörigen und Freunde nennen, realisiert, dass er den Vorgaben aus der Chefetage nicht mehr nachleben kann und will. Er wird in die Inserate-
Abteilung versetzt. Ein Abstieg. Wenn er auf sein bisheriges Leben zurückschaut, kommt es ihm vor, als habe er seit seiner Jugend die Realität und die eigenen Möglichkeiten
verschlafen.
Seit Wochen fehlen im Supermarkt Gemüse und Früchte; Vitamintabletten sind kein Ersatz. Von den äusserst wirkungsvollen braunen Pillen besitzt Gogi noch zwei. Überhaupt: Die politische und zivilgesellschaftliche Lage verschärft sich; die digitale ›neue‹ Welt gerät aus den Fugen. Wer zahlen kann, zieht in eine der bewachten Siedlungen. Nach längerer Zeit meldet sich Markus, ein Jugendfreund, wieder und bietet Gogi eine Fluchtmöglichkeit an. Dieser willigt ein, unter einer Bedingung: Renée, seine Nachbarin, die für ihn in den vergangenen Wochen ein Geschenk des Schicksals geworden ist, soll ihn begleiten.
Mit einer wuchtig-eruptiven Sprache verknüpft Monica Schwenk die Fülle von Episoden, Reflexionen und inneren Monologen. Daneben ist der dreiteilige Roman mit grotesker Komik durchsetzt, die wie ein Abgesang auf das Verschwinden der Qualitätsmedien wirkt.«
Katharina Kienholz

»Der Korrektor Gregor Schaffner gerät beruflich aufs Abstellgleis. Das wirtschaftliche
Umfeld wandelt sich und mit ihm auch seine Lebensbedingungen. Es wird eng. ›Gogi.
Drei Zeugnisse der Mühen im Leben von Korrektor Schaffner‹ heisst der schöne Titel
des in vielerlei Hinsicht höchst bemerkenswerten Debüts von Monica Schwenk.
Die 54-jährige, in Basel wohnhafte Autorin arbeitet nach Studien in Deutsch, Geschichte und Philosophie seit 20 Jahren als Zeitungsund Literaturkorrektorin. Wer deshalb glaubt, sie kenne aus eigener Erfahrung, was ihrem Helden widerfährt: irrt. Ihr Debütroman ›Gogi‹ entfaltet vor unseren Augen eine sehr sonderbare Welt. Alles ist im Umbruch begriffen. Akquisitionen und Übernahmen verwandeln Schaffners Zeitung in eine potente Marketingmaschine, in der für den Korrektor gerade noch Platz in der Inserate-Abteilung bleibt. Er duckt sich, lehnt sich nur innerlich auf. Regelmässig wird er zum Gespräch mit dem Betriebspsychologen gebeten, der für sein smartes ›Wir-wollen-ganz-offen-sein-miteinander‹ bloss noch ›Wi-wo-goff‹ genannt wird. Jeden Freitag trichtert dieser der ganzen Belegschaft den Spirit der neuen Dienstleistungsgesellschaft ein: Probleme heissen Herausforderungen und der Kunde ist König, weil er nicht bemerken soll, wie er ausgenommen wird. [...]
›Gogi‹ ist ein formidables Debüt, das nicht der Ironie entbehrt. Die Autorin verfügt souverän über die sprachlichen Mittel, um Schaffners Beklemmung mit sarkastischer Komik zu spicken. Monica Schwenks Gesellschaftskritik klingt unangestrengt und frei von grellen Effekten. Deshalb dürfen wir in ihrer Utopie eines allumfassenden Marketings gerne Anleihen aus unserer Gegenwart erkennen. Die Absurdität markiert den Endpunkt der Realität. Ob das für ein Happy End mit Gogis Nachbarin Renée taugt? Darüber schweigt sich das Buch wohlweislich aus.«

Beat Mazenauer in »041–Das Kulturmagazin«, November 2015

»Einsamer Ritter der Rechtschreibung
Wird einer, der Gogi gerufen wird, auch wirklich ernst genommen? Georg Schaffner, der den titelgebenden Kosenamen trägt, führt jedenfalls eine reichlich verknorzte Existenz. Gogi ist das, was man gemeinhin einen Versager nennt. Zu seinen Kindern hat er den Kontakt verloren; nicht einmal die SMS seines Jugendfreundes Markus beantwortet er. Auch beruflich geht es bergab. Einst war Georg ein ›Ritter der Rechtschreibung‹ bei einer Tageszeitung. Dann aber wird die Redaktion umstrukturiert, der CEO beschwört einen neuen ›Spirit‹, und ein Textgenerator bereitet die News automatisch auf. Für Georg bleiben nur noch die Inserate übrig. ›Sitze auf meinem Stuhl und sehe der Welt beim Funktionieren zu‹, notiert der unterforderte Korrektor. Die eigenwilligen Gedanken, die sich derweil in seinem Kopf tummeln, zeichnet Monica Schwenk in ihrem Prosadebüt mit viel Wortwitz nach. Bissig karikiert die Autorin, selbst Korrektorin bei der NZZ, das Getöse eines Medienkonzerns, der in der schönen neuen Digitalwelt sämtliche Inhalte über Bord wirft. Derweil steuert die Welt auf das ›Ende alles Bisherigen‹ zu. Kliniken und Schulen werden geschlossen, es gibt keine frischen Lebensmittel mehr zu kaufen, auf der Strasse wird geschossen. Es ist Zeit, dass Gogi einen Fluchtversuch wagt. Aus der Mediensatire ist unversehens eine aberwitzige Dystopie geworden.«

Martina Läubli in der »Neuen Zürcher Zeitung« vom 25. Februar 2016

Die Autorin
Monica Schwenk