drei monde Astrid Schleinitz

Astrid Schleinitz
drei monde
Gedichte

Klappenbroschur, 92 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Umschlag: Petra Schleemilch
ISBN 978-3-906061-05-4
20 Franken, 17 Euro
Ist im März 2015 erschienen
Leseprobe

»Astrid Schleinitz' poetischer Blick, noch an den Bildwelten des vordigitalen Zeitalters geschult, kreiert außergewöhnlich schöne Gedichte; durch fein gewobene Reminiszenzen hindurch greifen sie zurück in die Wunderkammern der Jahrhunderte. In manchmal überraschende Interpunktion gefasste Satzgefüge werden zu poetischen Tableaus: Die berühmten ›drei Sonnen‹ aus Schuberts Winterreise, überhitzte Wahnsinnsbilder eines zutiefst romantisch leidenden Gemüts, sind hier ausgekühlt in einer Welt von ›drei Monden‹. Vielfach und vielfältig erloschen ist die Gefühlsaura des Sichtbaren. Wortmagie, Lautzauber, Melancholie, Sehnsucht – in den Gedichten der Astrid Schleinitz werden diese durch einen exakt geklärten Gedankengang ebenso wie durch eine beinahe fotografische Poesie der Farben, Formen, Töne angegangen. So erregen diese Gedichte im modernen Leser Gefühle: sie verweisen auf einen immensen Verlust in unserer Wahrnehmung.«
Lioba Happel

»Der Mond ist das Leitgestirn in Astrid Schleinitz' Gedichtband drei monde. Er taucht Städte und Landschaften in sein milchiges Licht. Und er umflort gleichsam die Anschauung der Dichterin, der er etwas Traumwandlerisches verleiht, das auch tagsüber nicht verfliegt. Die Gedichte erzeugen eine Aura des Befremdlichen und dennoch Vertrauten. Sie appellieren an ein Geheimnis, das sich in den komplexen Zeilen verbirgt. Alles ist brüchig.
Ein Charakteristikum bildet ihre lyrische Form: Beschreibende Langzeilen malen mit Worten poetische Tableaus. Sie erwecken im innern Auge expressive, ja geradezu expressionistische Landschaften – nicht mittels Metaphern, sondern durch ihre kräftige Farbigkeit. ›die schiefen schuppen, die späten heuschober in abgesättigtem / rosa, leuchtendem grün, wertvoll in ihrer undurchsichtigkeit // wie die blauschwarzen dellen im gelände und der steinbruch / in geistergrau teil eines traums ...‹
›abendmohnrot‹ und ›blaues frostglühen‹ bilden Pole des Spektrums, zwischen denen diese Gedichte oszillieren. Die ›farbflüsse‹ brechen sich am winterlichen ›ciel quintessencié‹ Berlins, unter dem Samuel Beckett im Dezember 1936 geht, bevor er Noldes Aquarelle sieht, wie die Dichterin imaginiert: ›immer noch brennen sie, flammen in erdlöchern, / befreite seelen die steigen, kleine öfen, biwak, / aber nicht seins –‹.
Astrid Schleinitz erzeugt einen ganz und gar eigenen lyrischen Duktus. Indem sie Bilder von Landschaften und Jahreszeiten in ein kunstvoll poetisches Gefüge transformiert, das farbgesättigtes Eigenleben erhält, fordert sie die Leserinnen und Leser zu persönlichen Interpretationen heraus. Sie können sich dabei auf keine auferlegten Gewissheiten verlassen. Das Stakkato der grammatikalischen Zeichensetzung folgt zuweilen und widerspricht mitunter der Interpunktion der Lektüre. Lautes Lesen fördert die inliegende Spannung zutage – und hebt sie auf, am Schluss offen, stets ohne Punkt und Ende.«
Beat Mazenauer in »041–Das Kulturmagazin«, April 2015

»Empfindsame Anleitung zum Bildaufbau
Der Band drei monde wirkt schmal und handlich, enthält aber eine Fülle von Gedichten zu sechs Themenkreisen und einige kurze lyrische Prosatexte. Das Gefühl, mehr zu bekommen als erwartet, setzt sich fort, sobald man sich auf eines der Gedichte einlässt.
Astrid Schleinitz lässt den Leser nicht träumend in ihre Bilderwelt von Naturbeobachtungen hineingleiten, sondern lenkt ihm immer wieder den Blick in eine exakt definierte Richtung, als ob sie sagen wollte: Schau genau hin, sonst verstehst du es nicht. Sie baut Stimmungen auf mit einer Abfolge von Adjektiven, die jedes einen eigenen Geschmack, einen eigenen Ton, eine eigene Farbe zu haben scheint. Wenn zum Beispiel im Gedicht flache nächte von Vogelgeräuschen die Rede ist, die ›reiben leise leicht knöchern / nah, unerreichbar früh‹, dann entsteht
eine atemlose Spannung, die jedes Wort unentbehrlich macht. Wenn ich nicht genau hinhöre, einen Begriff verpasse, entgeht mir das vollständige Bild. Die gespannte Erwartung auf eine intensive Entfaltung der Sinneseindrücke lässt auch beim zweiten Lesen nicht nach; die Erfahrung des schrittweisen Aufbaus ist zu kostbar, man möchte sie wieder aufbauen, wohl wissend, wie flüchtig sie ist. Das Buch endet mit einer Textstelle, die dies zum Ausdruck bringt: ›… und ein gesprenkel darin, ein sanftes huschen in der nacht, kleines gestöber.‹«
Susanne Mathies in »orte, Schweizer Literaturzeitschrift« Nr. 186, Mai 2016

Die Autorin
Astrid Schleinitz