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Schächental

Andreas Grosz
Zwei gottlos schöne Füchslein
Die Schächentaler Jahre 2000 bis 2010
Teil 1: April bis September


Fadengeheftete Klappenbroschur, 348 Seiten, 17.6 x 13.2 cm
Umschlaggestaltung: Beatrice Maritz
ISBN 978-3-906061-15-3
32 Franken, 26 Euro
Januar 2019

Der Autor
Andreas Grosz

Von April 2000 bis März 2010 lebten Andreas Grosz und Beatrice Maritz im Urner Bergdorf Unterschächen. In Form einer gleichsam horizontal und vertikal konstruierten Textarbeit legt der Autor nun den ersten Teil einer Sammlung von Bruch- und Fundstücken aus diesen Jahren vor. Sie
besteht aus insgesamt zwölf Abschnitten, deren jeder einem der zwölf Monate zugeordnet ist.
Für dieses Projekt erhielt der Autor 2015 das Zuger Werkjahr.

»Dieses Buch ist ein so bewegendes Dokument des Gefühls der Krise, mit dem wir im Moment leben, weil es ganz stoisch notiert, was sich vor unseren Augen und Ohren zurückzieht. Die heimatlich vertrauten Klänge, Farben und Gerüche der einmal auf Frühling, Sommer, Herbst und Winter datierten Wahrnehmungen. Das jahreszeitlich bestimmte Gebaren der Tiere und Pflanzen. Die Welt des ›ewigen‹ Schnees. Die Geschichten der Lebenden und der Toten, von der lebenslang geliebten Großmutter bis hin zu vielfältigen Schicksalen aus dem Schächental. Die (angeblich angeborene) Sicherheit bezüglich des eigenen Geschlechts. Die einst als selbstverständlich wahrgenommene Kraft der Religion. Die (nicht mehr genau unterscheidbaren) Gegebenheiten der Imagination gegenüber denen der Realität. Sogar scheinbar nebensächlich daher Erzähltes bekommt den bangen Klang des Verlustes.
Warum man bei der Lektüre trotzdem euphorisch werden kann: als ob etwas gerettet wird, weil es ebenso scharf gefräst wahrgenommen wie mit größter poetischer Selbstverständlichkeit aufgezeichnet ist. Als würde alles noch einmal in der Welt dieser Dichtung erschaffen, um sich dann – und deswegen möchte man dieses beinahe magisch wirkende Buch gar nicht mehr aus der Hand legen – zu verabschieden.«

Lioba Happel (Klappentext)

»Es gibt bekanntlich immer wieder diesen berühmt-berüchtigten Autoren-Traum vom großen, alles umfassenden Produkt. Ein gedrucktes Werk, in dem man sich selber mit seinen Beobachtungen, Gedanken und Erlebnissen, ja die ganze Welt mit ihrem Leben und Geist, mit all ihrer Liebe und ihrem Hass, mit Vergangenem, Gegenwärtigem, aber auch Zukünftigem abbilden, ja nacherzählen möchte. Es ist ein verrückter Traum vom geradezu absoluten Buch. Denn zwischen den Pappdeckeln hat eh nur immer ein begrenzter Ausschnitt von all dem Platz. Und so ist denn die neuste Publikation von Andreas Grosz mit dem atheistisch anmutenden Titel Zwei gottlos schöne Füchslein gerade so ein erträumtes Buch geworden, ein allumfassender Abschnitt seines Lebens in den Schächentaler Jahren. Unglaublich, was sich in diesem ausschnitthaften Jahrbuch alles auffinden, ja, als was es sich alles lesen lässt: als eine präzise Natur-Seh-Schule, Traumnotate, ein Diarium der Selbstbeobachtung, eine Art Totenbuch oder als künstlerische Aufzeichnungen, ethnographischer Reisebericht, Familienerzählung, ebenso wie als Dorfgeschichte und religiöse Selbstvergewisserung. Ein schön gestalteter Band, angefüllt mit Sprachspielerei, Sprichwörtlichem, Philosophemen, Aphoristischem, Literaturbetrieblichem und vermischten Nachrichten aus aller Welt. Er ist voll mit reichhaltigen Lesefrüchten, Ängsten und fragloser Zuversichtlichkeit. Er ließe sich gebrauchen wie ein Idiotikon (also als Dialekt-Herkunfts-Wörterbuch) oder, wie es im Französischen so schön heißt, als Sottisier (also ein Abbild von menschlicher Alltags-Beschränktheit). Es ist ein Werk, das einen als Lesenden in der Spannung zwischen Idylle und Katastrophe regelrecht bannt.
Und das alles geschieht vor der einmaligen Naturkulisse des Urner Schächentals, wo sich die gottlos schönen Füchse nicht einfach nur gute Nacht sagen, sondern wo alles Globale, vom Krieg bis zur Klimaveränderung, genauso intensiv spürbar ist wie der Geruch von feuchtem Gras und Kuhfladen oder der Lärm der Gletscherbäche und hohlen Kuhglocken beim Alp-Abzug.
Es ist so gesehen nicht nur einfach ein realisierter uralter artistischer Traum, sondern auch ein ganz spezielles künstlerisches Lese-Erlebnis, wo man immer wieder nachdenklich innehält, ohne deswegen gleich das Buch aus der Hand zu geben.
Aber es geht einem hier eigentlich wie einem »verlässlichen Literaturkritiker«, von dem in einem nachgelassenen Gedicht von Günter Eich die Rede ist:
Das Wichtige
lässt er aus.
So weiß man immer,
was wichtig ist.
Wichtig ist aber auf jeden Fall diesem neuen Buch genügend Gehör zu schenken. Oder wie bei Andreas Grosz selber nachzulesen ist: Hinhören, hinaushören, die Ohren herumgehen lassen, sie hüpfen, schleichen, schweben lassen.«

Severin Perrig (an der Buchpräsentation vom 19. Januar 2019)

»Das Buch hat sechs Kapitel – April bis September –, in denen die Notizen aus den ganzen zehn Jahren zum jeweiligen Monat versammelt sind, eine ›horizontal und vertikal konstruierte Textarbeit‹ also, in der es vorkommen kann, dass die Großmutter, nachdem sie in den späten Augustnotizen verstorben ist, früh im September wieder auf der Veranda Wespen mit Obst und Konfitüre füttert. […] Ihr Tod wiegt schwer wie auch der Verlust von vielem, was in der sicher ändernden Welt untergeht, im Schächental besonders augenfällig: das Verschwinden der Gletscher. Der ewige Schnee schmilzt: ›Der Schächen ist am Abend grau. Keine gute Nachricht vom Grießgletscher. Er blutet weiter aus, sein Blut ist grau. Er verliert an Gewicht und Würde. Unter dem Schutt aber noch der schwarze Körper, ein Schatz, ein in vielen Wintern angelegter Vorrat, der nun, wie vieles andere auf dieser Welt, rasend rasch verzehrt, vergeudet, verschleudert wird, wie die Schätze der Meere, der Wälder, der Böden.‹ Diesem verschwenderischen, schnellen Leben setzt Grosz in seinem Buch ein anderes entgegen: Er gibt den Träumen Raum und nimmt sich Zeit zum Schauen und Schweifen. Es gibt in diesem Buch freie Nachmittage, lesend im Schatten von Sonnenblumen verbracht, und sogar das Warten – ›mit wachsender Geduld, wachsender Sorglosigkeit‹ – hat seinen Wert. ›Eine großblättrige Wärme‹, Sorgfalt und Ruhe ist in diesen Notaten, und was wohl das Schwerste ist, wie Grosz vermutet, nämlich ›Das Leben leicht- und doch ernstnehmen‹, das gelingt ihm in diesem schönen Buch großartig: ›Der Mensch, das Ebenbild Gottes. Die Vogelscheuche: das Ebenbild des Menschen.‹«
Regina Füchslin in »orte – Schweizer Literaturzeitschrift« Nr. 202, Juli 2019

»Ein Buch voller Poesie über die Menschen, die Natur, das Leben und den Tod …«
(hk) in »p.s.« vom 14. Juni 2019

 


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